für die Woche vom 23. bis zum 29. August
Predigt am Sonntag, 23. August, über 1. Korinther 3, 9-17,
von Pfarrer Hans-Helmuth Schneider
Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. Nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe ich den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf auf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.
Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird es ans Licht bringen: denn mit Feuer wird es sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen. Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.
Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören, denn der Tempel Gottes ist heilig – der seid ihr.
Liebe Gemeinde,
im Neuen Testament stehen zwei Briefe des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth. Beide handeln davon, dass in dieser Gemeinde, die Paulus auf seinen Reisen gegründet hatte, vieles im Argen lag. Man stritt sich dort herum, weil man sich in mehrere Parteiungen aufgeteilt hatte. Man nahm keine Rücksicht auf die Schwächeren und Ärmeren. Man beging recht große moralische Verfehlungen. Auf diesem Hintergrund schreibt Paulus seine beiden Briefe. Man merkt es ihnen an, und man merkt es auch unserem Predigttext an, wie er versucht, einerseits zu sagen, dass es nicht egal ist, wie man sich verhält, und andererseits zu sagen, dass die Botschaft des Christentums eben auch eine Botschaft der Liebe und der Vergebung ist.
Die ganze Gemeinde, das ganze Christentum baut auf Jesus Christus auf. Einen anderen Grund kann niemand legen. Wer einen anderen Grund haben will, ist hier falsch. Das ist zunächst einmal der Anfang, den Paulus hier macht. Und daraus folgt, zum Beispiel, und er sagt es am Schluss: Die Christen sind der Tempel Gottes, das ist der Ort, wo Gott gegenwärtig ist, wo er wohnt, sozusagen, durch seinen Geist. Und diese Gemeinde kann man durch falsches Verhalten auch kaputtmachen. Es gibt also durchaus Grenzen des Verhaltens. Besser ist es, ein konstruktives Verhältnis zum Grund zu haben und auf ihm etwas aufzubauen, oder zumindest aufbauen zu wollen. Aber auch da gibt es nun Unterschiede. Den einen gelingt etwas, viel sogar, den anderen wenig oder sogar nichts, aus den unterschiedlichsten Gründen. Hier sagt Paulus, dass das von Gott wie durch ein Feuer geprüft wird. Manches brennt einfach ab, manches bleibt bestehen. Wichtig daran ist allerdings: Selbst wenn bei jemandem gar nichts Bleibendes entstanden ist: Er selbst wird gerettet werden, wenn auch so, wie durchs Feuer hindurch. Hier ist die Botschaft des Evangeliums. Es liegt nicht an unseren Taten, es liegt nicht am Erfolg oder Misserfolg unseres Handelns, ob wir gerettet werden, sondern es liegt an Gott, der uns retten will. Und er tut es auch.
Paulus navigiert hier in einem schwierigen Gewässer. Denn nicht alles, was man hieraus folgern kann, ist so eindeutig. Wer kann es beurteilen, ob sein Werk den Standard von Gold oder Silber erfüllt oder ob es nicht doch als Holz oder Stroh erweisen wird? Manches, was man selber denkt, wird von anderen ganz anders beurteilt. Manches, was zu einer bestimmten Zeit gut aussieht, erweist sich langfristig als problematisch. Manches, was gut gemeint ist, bringt dennoch nicht das gewünschte Ergebnis. Wie wird Gott uns beurteilen, eines Tages? Ja, vielleicht kann man wirklich Manches schon sagen und hat recht dabei. Aber immer, oder hundertprozentig überblicken wir die Lage nicht. Und wir müssen es auch nicht wissen, denn auch wenn etwas oder einiges oder vieles verbrennt – unsere Rettung stellt das nicht in Frage. Und deshalb sollten wir auch versuchen, Gutes zu tun, so, wie es sich uns als richtig darstellt.
Denn als Christen sind wir erst einmal gerechtfertigte Sünder. Und auf das Gerechtfertigt-Sein kommt es an. Das kommt nicht von unseren Taten. Das kommt von Gott. Das kommt zu uns durch den Glauben. Das kommt zu uns, weil Jesus Christus es für uns erworben hat. Darum ist Gott zu uns so wie der Vater, der den verlorenen Sohn wieder aufnimmt. Der Sohn hatte nichts mehr, als er kam. Man könnte mit unserem Text sagen: Der hatte alles verbrannt, alles, was er selber erreicht hatte und alles, was sein Vater ihm gegeben hatte. Und der Vater nimmt ihn auf, denn er liebt ihn doch so sehr.
Das ist es auch, was Paulus über sich selber sagen kann. Er war ein Mensch gewesen, der das Christentum verfolgt hatte. Und er hat erlebt, nicht nur, dass es Jesus Christus ja wirklich gibt, sondern dass dieser ihm alles vergibt, was er zuvor getan hat, wie falsch es auch immer gewesen sein mag. So versucht Paulus nun auch, anderen Menschen gegenüber zu sein.
Und dennoch gibt es Grenzen des Verhaltens. Diese Grenzen gibt es innerhalb der christlichen Gemeinde. Damit ringt Paulus hier auch. Und er ringt deswegen auch mit den Leuten in Korinth. Das eine oder andere, was dort stattfindet, geht einfach nicht. Da wird er an manchen Stellen der beiden Briefe recht deutlich. Anderes geht, aber der Umgang untereinander muss sich dabei noch ändern. Auch dazu gibt es Passagen in seinen Briefen. Und manche Leute verdrehen das Christentum, zum Beispiel indem sie sagen, Jesus sei doch gar nicht auferstanden. Hier argumentiert er lange und geduldig, dass die Auferstehung ein wesentlicher Punkt für den christlichen Glauben ist. Immer wieder versucht er, man könnte sagen, die in die Irre gegangenen Schafe zurückzugewinnen. Er geht ihnen weit nach, weiter als man es erwarten könnte. Aber so hat es Jesus es vom guten Hirten auch gesagt.
Und noch etwas gibt es im ersten Korintherbrief, und das ist eine seiner interessantesten und am schwierigsten ausgedrückten Stellen. An einer Stelle erwähnt Paulus einen Mann, der in Verhältnissen lebt, also dauerhaft, die moralisch so falsch sind, dass er einfach nicht Teil der Gemeinde bleiben kann. Worum es sich genau handelt, wird nicht recht klar, aber Paulus zieht daraus die Folgerung: Diesen Menschen müsst ihr aus der Gemeinde ausschließen. Da er sich nicht ändern will, könnt ihr dieses Problem nicht anders lösen. Ihr könnt ihm nicht anders helfen und euch selber auch nicht. Interessant daran ist, dass Paulus tatsächlich sagt: Es gibt Probleme und Fragen, die können wir innerhalb der Kirche nicht mehr lösen. Und das ist auch die Begründung, die Paulus gibt: Ihr könnt den Mann nicht retten. Ihr seid keine Hilfe mehr für ihn. Darum schließt ihn aus. Und er schließt diese Aufforderung damit, dass er sagt: lasst ihn gehen, „auf dass sein Geist gerettet werde am Tage des Herrn.“
Es geht Paulus hier nicht in erster Linie um irgendetwas wie die Reinheit der Gemeinde oder um die Kirche als moralische Anstalt. Sondern selbst in diesem Fall, in diesem Argument geht es Paulus noch um die Rettung eines anscheinend verlorenen Menschen. Nur sagt er: Durch die Kirche kann das nicht mehr geschehen. Bei Gott aber ist es möglich. Ihm kann man das überlassen.
Um es noch einmal anders zu sagen: Ja, es gibt Grenzen des Verhaltens. Diese Grenzen gibt es in der christlichen Gemeinde oder Kirche. Bei Gott hingegen gibt es keine Grenzen. Und wir wissen zwar nicht, was er tatsächlich noch alles tun wird. Aber Paulus sieht keinen Grund, pessimistisch zu sein. Unter Menschen ist manches unmöglich. Bei Gott aber ist nichts unmöglich. Denn seine Liebe ist ja auch größer als die Liebe, die wir Menschen untereinander haben. Und dennoch ist deswegen nicht einfach alles egal und jede und jeder soll doch tun oder lassen, was sie oder er will. Denn wer von dieser Liebe Gottes auch nur einen Bruchteil verstanden hat, der weiß doch, dass der Weg der Liebe der richtige Weg ist und dass auch wir Menschen ihn gehen sollte, so weit es uns irgendwie möglich ist.
Amen
