Wochenandacht

für die Woche vom 11. bis zum 17. April


O Tod, wo ist dein Stachel nun
Evangelisches Gesangbuch Nr. 113; Orgel und Gesang: KMD Ingrid Kasper


Predigt am Sonntag, 11. April, über Johannes 21, 1-14,
von Pfarrer Hans-Helmuth Schneider

1Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See von Tiberias. Er offenbarte sich aber so: 2Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger. 3Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sprechen zu ihm: Wir kommen mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts. 4Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. 5Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. 6Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische. 7Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte: »Es ist der Herr«, da gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich in den See. 8Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen. 9Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot. 10Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! 11Simon Petrus stieg herauf und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht. 12Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr. 13Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt’s ihnen, desgleichen auch den Fisch. 14Das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war.

Liebe Gemeinde,
ein paar Beobachtungen zu dieser Geschichte von Ostern möchte ich heute gerne zusammentragen. Denn so merkwürdig sich diese Geschichte anhört und so viele Fragen sie offen lässt - es ist auch eine Geschichte über uns.
Das Erste, was mich an dieser Geschichte beeindruckt, ist, dass da steht: Niemand hat Jesus gefragt: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr. Das ist eine Kurzfassung des Glaubens. Des Glaubens an den auferstandenen Jesus. Denn dass er auferstanden ist, das bedeutet ja: Er ist da. Er ist unter uns. Er ist bei uns. Und dafür braucht es keine Spektakel; sondern nur den Glauben. Da geht es um so etwas wie eine stille Übereinkunft, eine freundliche Gewissheit, ein Bewusstsein dafür: Ja, er ist auch bei mir. Er sieht alle meine Wege. Er kennt mich und er hat mich lieb. Und er wird bei mir bleiben. Ich muss da gar nicht erst mit ihm darüber verhandeln; es ist so. Es ist so. Und bei ihm, da gibt es auch nichts, was ich fürchten müsste. Denn von ihm kommt nichts Böses.
Und das wäre schon die zweite Beobachtung. In der Geschichte wird das so ausgedrückt, dass Jesus den Jüngern einen großen Fischfang schenkt. Geradezu überdimensional ist der, hundertdreiundfünfzig Fische, sagt Johannes. Woher er diese genaue Zahl hat, ist dabei uninteressant, was er meint ist: Das reicht für viele, das ist ein richtiger Überfluss. Was er meint, ist: Alles, was wir sind, und alles, was wir haben, das kommt von ihm. Von Gott, der sich in Jesus, dem Auferstandenen, auch zu uns gesellt. Der nicht nur bei uns ist, sondern der uns schenkt. Immer wieder. Und immer wieder neu.
Denn das ist das Nächste an der Geschichte: Was da mit Jesus kommt, das ist eine Mischung aus dem normalen Leben und aus Wundern. Da werden Fische gefangen, da wird gegessen wie im normalen Leben. Und gleichzeitig ist das doch ein Wunder, weil Jesus da so einen Überfluss erzeugt. Ist das nicht bei vielen Menschen so? Dass das Leben eine Mischung ist aus Wundern und normalen Dingen? Und beides kommt von Gott. Beides hat mit ihm zu tun.
Bei „Wundern“ meine ich jetzt nicht unbedingt, dass wir etwas Übernatürliches erleben. Ich glaube, so etwas ist auch möglich, aber was ich eher meine, ist: Es gibt doch viele Dinge, die wir als Wunder empfinden. Wenn wir unser Leben anschauen, dann sehen wir, und manchmal erst nach langer Zeit: Da ist etwas Wichtiges passiert und es ist gut geworden. Es hätte auch anders ausgehen können; das ist es aber nicht. Hatte da nicht auch Gott seine Hand im Spiel? Jetzt frage ich. Die Jünger haben gar nicht erst gefragt. Sie wussten: Es ist der Herr. Das zu wissen, mag uns schwer fallen. Aber - vielleicht rede ich da nur für mich, ich weiß es nicht - zumindest im Rückblick stellt sich mir manches anders dar als ich zunächst dachte und ich sehe einen Sinn in so manchen Teilen meines Lebens - die waren schwierig oder die hätten auch anders ausgehen können. Das sind sie aber nicht. Und so haben sie - vielleicht nicht ausschließlich, aber unter anderem eben auch - einen guten Sinn gehabt.

Und dann ist da noch Petrus. Als die Jünger in den Booten anfangen zu verstehen, dass da Jesus am Ufer steht, stürzt er sich ins Wasser, weil er glaubt, mit Schwimmen komme er schneller an Land. Das ist typisch für ihn. Immer der Erste sein. Immer den Mund am meisten aufmachen. Immer mehr sein als die anderen, immer der Beste sein. Die anderen kamen mit dem Boot; so weit waren sie nun auch wieder nicht vom Land entfernt, sagt Johannes. Hat es Petrus also etwas genutzt, dass er vielleicht einen kleinen Vorsprung hatte? Das hat es nicht. Bei Jesus bringt das keinen Vorteil, wenn man so ist wie Petrus. Und Petrusse gibt es viele. Ein bisschen sind wir vielleicht alle so.
Das ist die eine Seite von Petrus gewesen: Immer der Erste sein. Immer den Mund am meisten aufmachen. So wie die da bin ich nicht. Mir würde das und das nie passieren. Mir doch nicht. und so weiter. Ehrgeiz allein ist noch nichts Schlechtes. Damit haben Viele schon Vieles erreicht im Leben. Bei Jesus braucht man ihn zwar nicht. Aber man kann sogar sympathisch sein, wenn man dann auch zu seinen Schwächen steht und einsichtig ist. Und das ist die andere Seite von Petrus gewesen. Er hat den Mund am meisten aufgerissen. Ich werde dich bestimmt nicht verleugnen. Mir würde das nicht passieren, allen anderen schon eher. Wir wissen, was danach passiert ist. Es steht in jedem der vier Evangelien. Der größte Angeber hat am meisten versagt und Jesus drei Mal verleugnet.
Es ist gut für uns alle, dass Petrus in der Bibel so gut beschrieben wird. Denn es hat auch uns etwas zu sagen. Er wollte der Erste und der Beste sein, und ich sagte schon: Hat es ihm bei Jesus etwas genutzt? Das hat es nicht. Das ist das Eine: So sehr man nach Anerkennung sucht - bei Jesus braucht es das nicht. Er kennt die, die er begleitet. Und er liebt sie unabhängig von ihren Leistungen. Aber dann das Andere: Petrus hat krachend versagt. Er hat gelogen, weil er Angst bekommen hat. Er hat überhaupt nicht mehr zu Jesus gestanden. Nach seinen großen Ankündigungen war das so peinlich wie bei keinem anderen. Aber hat ihm das bei Jesus etwas geschadet? Das hat es eben auch nicht. Und das ist vielleicht das Wichtigste, was wir an Petrus sehen können: So falsch er sich benommen hat, so wenig sein Gerede und seine Taten etwas miteinander zu tun gehabt haben, und wenn er noch so eine große Niete war - Jesus hatte ihn vorher lieb und er hatte ihn nachher noch genauso lieb.
Und das ist bei uns genauso wie bei Petrus. Nicht nur, dass wir keine Leistungen bringen müssen vor Gott. Sondern auch alle unsere Sünden, und noch die schwersten, sind bei ihm gut aufgehoben. Denn wenn wir es mit dem Auferstandenen zu tun haben, haben wir es mit der reinsten Vergebung zu tun, die es gibt. Haben wir es mit der reinsten Rettung aus den Abgründen dieser Welt zu tun, die es gibt. Er, der von den Toten wiedergekommen ist; er, der aus Liebe zu uns gekommen und ans Kreuz gegangen war, um die Sünden der Welt zu tragen; er kennt auch uns und er hat uns lieb. Mit aller Schuld und aller Angst und allem Versagen können wir kommen. Bei ihm schadet uns nichts mehr. Er sagt: Komm, iss mit mir. Hier auf Erden und dort im Himmel. Denn zu mir gehörst du. Und zwar für immer.
Amen

Auf, auf, mein Herz, mit Freuden
Evangelisches Gesangbuch Nr. 112; Orgel und Gesang: KMD Ingrid Kasper


Die Kollekte am Sonntag, 11. April, ist je zur Hälfte für den Erhalt der Stephanskirche und für die Kirchengemeinde St. Stephan bestimmt. Wenn Sie etwas spenden möchten, nutzen Sie bitte das Konto der Kirchengemeinde St. Stephan (Sie finden es hier in der rechten Spalte) und geben Sie als Spendenzweck "Erhalt der Stephanskirche" und/oder "Kirchengemeinde St. Stephan" an. Herzlichen Dank.