Wochenandacht

für die Woche vom 22. bis zum 28. November

Jerusalem, du hochgebaute Stadt
Evangelisches Gesangbuch Nr. 150; Orgel und Gesang: KMD Ingrid Kasper

Predigt über Offenbarung 21, 1-7, zum Ewigkeitssonntag, 22. November,
von Pfarrer Hans-Helmuth Schneider

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Wer überwindet, der wird dies ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein.

Liebe Gemeinde,
und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen … Das ist einer der stärksten Texte der Hoffnung, die wir in der Bibel haben, einer der stärksten Texte gegen den Tod, oder besser: gegen die scheinbare Endgültigkeit des Todes, die eben doch nicht endgültig ist. Sondern ein Tor in eine andere Welt, zum neuen Jerusalem, bildhaft gesprochen.
Der Tod ist uns allen dieses Jahr ein Stück näher gekommen. Das wäre er auch ohne Corona, einfach weil wir immer älter werden; aber durch die Pandemie noch viel mehr. Aber auch sonst: Jeder Abschied ist ein kleiner Tod, sagt man. Jede Krankheit ist ein mehr oder weniger kleiner oder großer Vorbote des Todes. Und am meisten sind diejenigen betroffen, bei denen der Tod tatsächlich eingekehrt ist und die einen Menschen verloren haben, der ihnen wichtig war.
Der Tod - mit ihm kommt ein starkes Gefühl der Hilflosigkeit. Es gibt nichts, was wir gegen ihn machen können. Es gibt nichts, was wir noch ändern können. Es ist jemand verloren gegangen und einfach nicht mehr da. Aber alle unsere Gefühle für diesen Menschen sind noch da, all unser Wissen, alle Erinnerungen, und sein Zimmer ist noch da oder die Wohnung. Aber wir müssen uns abfinden damit, dass er oder sie nicht wiederkommt. Nicht auf dieser Welt. Nicht in diesem Leben.
Ja, und das ist es: Allein auf dieser Welt, allein in diesem Leben gibt es nur das langsame Trauern, das langsame Verarbeiten, das langsame Akzeptieren des Unausweichlichen. Auch das ist beinhaltet bereits eine Hoffnung - für uns: Das Leben geht weiter. Wir werden die Trauer eines Tages überwinden. Wir werden lernen, ohne unsere Toten auszukommen. Sie werden eine gute Erinnerung bleiben.
Aber das ist eben nicht alles. Es gibt eine Hoffnung. Es gibt eine echte Hoffnung. Nur bezieht sie sich eben nicht auf diese Welt, auf dieses Leben, sondern sie geht über den Tod hinaus in eine andere Welt hinein. Dort sind die Toten jetzt. Und sie sind gar nicht tot, sondern sie sind bei Gott und sie leben. Es geht ihnen gut. Der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein. Vergangen ist nur das Erste. Das Vorletzte. Das Letzte, das Endgültige, es steht noch bevor. Auch uns.

Der Tod - mit ihm kommt ein starkes Gefühl der Sinnlosigkeit. Da geht ein Abgrund auf, der sagt: Hier ist alles schwarz. Nichts bereitet einen vor auf das Gefühl der Sinnlosigkeit, das man nach dem Verlust eines wichtigen, eines geliebten Menschen erlebt. Man könnte seinen Teller mit Essen an die Wand schmeißen. Wozu überhaupt leben? Wozu soll das alles hier gut sein? Es hat doch überhaupt keine Bedeutung … Und es tut weh. Da bleibt ein großer Schmerz. Wo ist Gott denn? Warum tut er nichts?
Wir sehen ihn nicht und wir spüren ihn nicht. Aber er ist da. Und er tut etwas. Eines Tages werden wir es bemerken. Ja, es dauert und dauert. Und es geht um Dinge, die wir nicht sehen können. Solche Dinge aber tut Gott: Er lässt uns die Trauer verarbeiten. Er lässt uns das Leben langsam neu lernen. Er hört zu, wenn wir weinen. Er hält seine großen Arme um uns. Er sagt uns leise, aber bestimmt: Ich habe dich so sehr lieb. Und die Gestorbenen - sie trinken jetzt von der Quelle des lebendigen Wassers, umsonst. Sie sind jetzt ganz meine Kinder. Und auch du wirst ganz mein Kind sein, eines Tages.
Was mit dem Tod kommt an schlechten Gefühlen, das muss wohl so sein. Diese Gefühle sind aber nicht das letzte Wort. Das Bild vom himmlischen Jerusalem sagt uns: Es ist nicht alles in Ewigkeit sinnlos. Im Gegenteil. Das Wichtigste kommt erst noch. Das, was alles noch einmal vollkommen verändern wird, was wir auf dieser Welt erlebt haben. Sogar den Tod unserer Lieben werden wir dann mit neuen Augen sehen.
Soll man das glauben? Ich wünsche es uns. Es kommt nicht auf die Größe des Glaubens an. Zweifel gehören zum Glauben dazu, gehören zum Menschsein dazu. Aber auch ein Glaube, der nur so klein wie ein Senfkorn ist, reicht aus, sagt Jesus. Und wenn der Glaube ganz verlorengeht? Wenn die Zweifel so groß werden, dass wir uns nicht mehr wehren können gegen sie? Dann bleibt die Treue Gottes zu uns Menschen weiter bestehen. Seine Liebe zu uns hört niemals auf. Nicht auf dieser Welt, nicht wenn wir selber sterben, nicht in der kommenden Welt, nicht im neuen Jerusalem. All das kommt von ihm, nicht von uns. Er ist es, der alles neu macht.

Amen

Hallelujah, Salvation and Glory
Gospelchor St. Stephan; Leitung: KMD Ingrid Kasper

Die Kollekte am Sonntag, 22. November, ist je zur Hälfte im Besonderen für die Arbeit in der Philippuskirche und zur Hälfte allgemein für unsere eigene Gemeinde bestimmt. Wenn Sie etwas spenden möchten, nutzen Sie bitte das Konto der Kirchengemeinde St. Stephan (Sie finden es hier in der rechten Spalte) und geben Sie als Spendenzweck "Philippus" und/oder "Kirchengemeinde St. Stephan" an. Herzlichen Dank.