Stärker als der Tod

Die eiserne Skulptur des Portugiesen Rui Chavez am linken vorderen Vierungspfeiler wurde der Gemeinde im Jahr 2007 anlässlich der 1000-Jahr-Feier des Erzbistums durch das Künstlerhaus "Villa Concordia" als Dauerleihgabe übergeben.

Vom erdenschweren Fundament gleitet der Blick aufwärts ins Licht und in die Weite. Es ist, als begegneten sich hier Himmel und Erde. Auf der linken Seite dringt auf halber Höhe der Kirche eine Skulptur aus dem Mauerwerk ins Freie. Sie hat menschliche Gestalt, aber ihr Material ist schweres Eisen und stammt aus der Erde, aus Dunkel und Nacht. Nun aber wird sie ins helle Licht gehoben.

Die Spannung, der Widerspruch zwischen Himmel und Erde, zwischen Leben und Tod wird nicht elegant überspielt oder geleugnet, sondern wird ausgehalten und aufgehoben. Was bei uns dunkel ist, unverständlich und schwer, darf ans Licht kommen, darf angenommen und ausgesprochen werden. Was uns belastet und Angst macht, darf nicht verschwiegen werden.

Zwar wünschen wir uns, dass alles ohne Bruch immer weiter gehen möge. Auch Paulus schreibt, dass er am Ende des Lebens am liebsten mit einem neuen Leben überkleidet werden möchte, um nicht erst nackt dastehen zu müssen. Aber im Blick auf Christus weiß er es besser: "Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden" (2. Korinther 5,17). Das Alte darf zu Ende gehen. Wir dürfen es loslassen. Wir werden alle verwandelt werden, wie das Eisen der Skulptur nicht in der Erde verhaftet bleibt, sondern sich mit Leichtigkeit nach oben zu bewegen scheint.

Die Plastik trägt den Titel: "Stärker als der Tod" - eine Bezeichnung, die den Betrachtenden nicht als erstes in den Sinn kommen mag. Aber gerade sie regt zum neuen Nachdenken an.